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Markttechnik: Massiver Widerstandsgürtel

Posted by Börse Frankfurt • Wednesday, March 17. 2010 • Category: Indizes
Marktbericht vom Handel an der Börse Frankfurt

17. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Zwar hat der DAX die 6.000 Punkte-Marke geknackt, Charttechniker warnen aber weiter vor Euphorie. Viele halten die Aufwärtschancen für begrenzt. Die Marktstimmung hat sich indessen wieder verbessert, bei den Bluechips gibt es jetzt nahezu doppelt so viele Optimisten wie Pessimisten. Am frühen Nachmittag notiert der deutsche Leitindex bei 6.024 Punkten.

Heillos überkaufte Markttechnik

Karen Szola, technische Analystin von „Euro am Sonntag“ und finanzen.net, rechnet mit einer Konsolidierung: „Nach der Eroberung des Oktoberhochs bei 5.888 Punkten besteht aus rein technischer Sicht weiteres Kurspotential bis zum Jahreshoch bei 6.094 Zählern, wenn da nicht die heillos überkaufte Markttechnik wäre“, meint sie. Die Tatsache, dass die kurzfristigen Trading-Indikatoren den Scheitel ihrer oberen überkauften Extremzone durchlaufen hätten und ein Verkaufssignal generierten, lässt Szola zufolge die Hoffnung auf weitere Kursgewinne schwinden: „Zwar bleibt ein Restaufwärtspotential bis auf 6.094 Stellen bestehen, doch nur mit Rückenwind der amerikanischen Indizes lässt sich diese Marke noch erreichen.“ Auf der Unterseite werde das Oktoberhoch bei 5.888 Punkten wieder in den Fokus rücken.

Ihr Fazit: Da die Konsolidierung mehr als überfällig sei, könnte diese sogar recht kräftig ausfallen. Unterstützungen böten neben dem Oktoberhoch noch Supports bei 5.800 und 5.750/5.730 Punkten, beim letztgenannten Niveau handele es sich zudem um das 50-Prozent-Fibonacci-Retracement. „Fällt die Korrektur heftiger aus, so steht die noch offene Kurslücke bei 5.641/5.605 Zählern zur Disposition“, erläutert Szola weiter. Immerhin würden laut Statistik rund 75 Prozent aller Gaps wieder geschlossen: „Und der DAX ist sogar zu 95 Prozent ein notorischer Kurslücken-Schließer“.

Indikatoren heißgelaufen

Auch nach Ansicht von Jörg Scherer von HSBC Trinkaus & Burkhardt ist das weitere Aufwärtspotential für den DAX limitiert. „Bei 6.000 Punkten beginnt ein massiver Widerstandsgürtel, der sich aus verschiedenen alten Hoch- und Tiefpunkten speist und sich bis rund 6.200 Punkte erstreckt“, argumentiert Scherer. In diese Zone fielen auch das rechnerische Kursziel – abgeleitet aus der kurzfristigen Bodenbildung vom Januar bzw. Februar – sowie das bisherige Jahreshoch bei 6.094 Punkten. Gegen eine weitere Aufwärtsbewegung sprechen Scherer zufolge vor allem die kurzfristig heißgelaufenen Indikatoren sowie die Investorenstimmung: „Gemäß der Sentimenterhebung der „American Association of Individual Investors“ sind die US-Privatanleger aktuell ähnlich sorglos wie zu Jahresbeginn, so dass neue Nachfrage nur noch schwerlich zu generieren ist.“

Auf der Unterseite sollten Investoren die Kombination aus dem jüngsten Verlaufstief bei 5.898 Punkten und dem Hoch vom 20. Oktober 2009 bei 5.888 Punkten beachten: „Ein Abgleiten unter diese Zone würde aus Sicht des Stundencharts eine kleine Topformation komplettieren und damit die Basis für einen Test der Hochs vom letzten Quartal 2009 bei rund 5.850 Punkten legen.“

Abschwächung des Aufwärtsmomentums

Alexander Krämer, technischer Analyst bei der Commerzbank, sieht den DAX zwar mittelfristig in einer moderaten Aufwärtsbewegung, die von einem im August begonnenen Aufwärtstrend begleitet werde. „Mit der Verteidigung der 200-Tage-Linie konnte der Index im März eine kurzfristige beschleunigte Aufwärtsbewegung etablieren, die ihn in die gestaffelte Widerstandszone 5.900 bis 6.100 geführt hat“, erklärt Krämer. Ihm zufolge ist die aktuelle kurzfristige Aufwärtsbewegung ab Anfang März aber von einer klassischen technischen Divergenz mit sinkenden Handelsvolumina bei steigenden Kursen begleitet. „Das legt nahe, dass sich das Aufwärtsmomentum der Bewegung abschwächt“, resümiert Krämer. Klare technische Signale für ein zügiges Überwinden der gestaffelten Widerstandszone 5.900 bis 6.100 fehlten zurzeit noch.

Marktstimmung wieder besser

Die Marktstimmung hat sich gegenüber der Vorwoche abermals verbessert, das ergibt zumindest die aktuelle Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. Der Bull/Bear-Index bei den Bluechips stieg auf 64,4 Punkte. Von den befragten Anlegern rechnen 5 Prozent mehr als in der Vorwoche mit steigenden Kursen, insgesamt sind es nun 53 Prozent. Das Pessimistenlager schrumpfte hingegen um 3 Prozent und macht nur noch 27 Prozent der Anleger aus. Beim TecDAX kletterte der Bull/Bear-Index ebenfalls, und zwar auf 65 Prozent. Die Bullen verzeichneten ein Plus von 6 Prozent der Befragten auf 52 Prozent, die Pessimisten sind mit einem Minus von 1 auf 31 Prozent nun noch deutlicher in der Minderheit.
Die vollständige Analyse gibt es heute nachbörslich bei boerse-frankfurt.de/sentiment.

© 17. März 2010/Anna-Maria Borse

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