Daimler – Was tun?
Posted by Armin Brack • Thursday, October 9. 2008 • Category: Aktien
Daimler - Angst vor Gewinnwarnung
Im Vergleich zum Drama am US-Markt, sehen die Probleme bei Daimler direkt bescheiden aus. Der mit Abstand wichtigste strategische Schachzug von Daimler-Chef Klaus Zetsche war der Verkauf von Chrysler wie sich nun im Nachhinein zeigt. Nicht auszudenken, wenn das Schicksal der deutschen Nobelmarke immer noch direkt mit dem auf der Kippe stehenden US-Markt verknüpft wäre!
Ganz von der US-Krise lösen, kann man sich in Stuttgart freilich auch nicht. Immerhin ist die USA nach wie vor ein wichtiger Exportmarkt für Daimler. Zetsche nimmt hier kein Blatt vor den Mund: "Die Menschen, die sich bisher von ihrem Jahresbonus einen Porsche oder Mercedes gekauft haben, werden das momentan vielleicht erst mal nicht tun", meinte der Daimler-Boss trocken am Rande des Pariser Automobilsalons.
Trotzdem: Selbst im Auge des Finanzmarkthurrikans in den USA schlug sich Mercedes-Benz wacker und besser als die einheimischen Marken. Trotzdem war ein Absatzeinbruch von 16 Prozent natürlich unter dem Strich nicht erfreulich. Die Einführung des Smart in den USA konnte, der auf Anhieb immerhin 1.778-mal verkauft wurde, dämpften die Absatz-Verluste für den Gesamtkonzern weiter auf nur noch 8,5 Prozent.
Der ewige deutsche Widersacher BMW schnitt im Vergleich mit einem Absatzminus von 25,8 Prozent im September bei weitem schlechter ab. Zetsche sprach dann auch folgerichtig davon, man habe sich im aktuellen Umfeld "relativ gut geschlagen".
*Gleiche Probleme wie die Konkurrenz
Unter dem Strich bleiben die Probleme von BMW und Daimler jedoch die gleichen. Analysten sprechen davon, dass die Stuttgarter wie auch die Münchener Teile ihres Leasing-Portfolios mit Bekanntgabe der Zahlen zum dritten Quartal abschreiben müssten.
Bei Daimler werden Abschreibungen in Höhe von 600 Millionen Euro kolportiert. Das ist kein Pappenstil und würde die Gewinnmarge entsprechend von acht auf nur noch 6,9 Prozent reduzieren. Hintergrund ist hier, dass die Gebrauchtwagen, die nach dem Ende von Leasingverträgen zurückgenommen werden, beim Weiterverkauf wesentlich weniger einbringen als früher.
Offenbar entscheiden sich vor dem Hintergrund der hohen Unterhaltskosten (hoher Spritverbrauch, hohe Versicherung, hohe Steuer, mehr Reparaturen wegen höherem Alter, immer noch relativ hoher Preis, häufig sehr hoher Kilometerstand, da ehemalige Geschäftswagen etc.) im Zweifelsfall immer mehr Autofahrer für einen neueren und dafür kleineren Wagen statt einem gebrauchten Leasingmodell.
Hinzu kommt: Auch in Europa vergeben Autobauer nach einer Analyse von Merrill Lynch jährlich insgesamt Leasing- und Finanzierungskredite in Höhe von 250 Milliarden Euro. Immerhin 80 Milliarden Euro müssen jährlich refinanziert werden. Auch wenn es hierzulande - zum Glück - keine spektakulären Schieflagen bei Autobanken gibt, so verschlechtern sich dennoch die Refinanzierungsbedingungen auch für diese Institute. Höhere Zinskosten sind die Folge, was wiederum auf die Margen drückt und letztlich auch das Kreditrating gefährdet.
Auch an diesem Beispiel wird deutlich, wie die globale Vernetzung des Finanzmarktes schnell zu den weltweit gleichen Effekten innerhalb einer Branche führen kann.
Das macht letztlich aber auch eine vernünftige Einschätzung der Daimler-Aktie und anderer deutscher Automobilaktien so schwierig. Verschlimmert sich die Krise in den USA, wird das auch die Daimler-Aktie belasten. Entfaltet das Rettungspaket die beabsichtigte Wirkung, geht auch Daimler mit nach oben.
Zuletzt hatte die Aktie jedenfalls mit massiven Verlusten zu kämpfen.
*Was für Daimler spricht
Für einen Kauf spricht allerdings die momentan im Vergleich zur Konkurrenz klar günstigere fundamentale Bewertung, die bereits eine weitere - keineswegs sichere - Gewinnwarnung einpreist hat. Zudem stemmt sich Daimler bei den Verkaufszahlen in der Tat relativ besser gegen den Abwärtstrend als beispielsweise BMW. Sollte keine Gewinnwarnung folgen, besteht einiges an Aufwärtspotenzial für die Aktie.
MEIN FAZIT:
- Gerüchte über eine neuerliche Gewinnwarnung prügelten die Aktie nach unten.
- Mögliche Abschreibungen im Leasing-Geschäft und die grundsätzlich schwierigere Refinanzierung von Krediten belasten zusätzlich.
- Fundamental ist die Aktie sehr günstig, operativ läuft es verhältnismäßig gut. Daimler ist daher im Vergleich zu BMW und erst recht im Vergleich zu VW vorzuziehen.
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Ihr
Armin Brack
Chef-Redakteur Geldanlage-Report
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Im Vergleich zum Drama am US-Markt, sehen die Probleme bei Daimler direkt bescheiden aus. Der mit Abstand wichtigste strategische Schachzug von Daimler-Chef Klaus Zetsche war der Verkauf von Chrysler wie sich nun im Nachhinein zeigt. Nicht auszudenken, wenn das Schicksal der deutschen Nobelmarke immer noch direkt mit dem auf der Kippe stehenden US-Markt verknüpft wäre!
Ganz von der US-Krise lösen, kann man sich in Stuttgart freilich auch nicht. Immerhin ist die USA nach wie vor ein wichtiger Exportmarkt für Daimler. Zetsche nimmt hier kein Blatt vor den Mund: "Die Menschen, die sich bisher von ihrem Jahresbonus einen Porsche oder Mercedes gekauft haben, werden das momentan vielleicht erst mal nicht tun", meinte der Daimler-Boss trocken am Rande des Pariser Automobilsalons.
Trotzdem: Selbst im Auge des Finanzmarkthurrikans in den USA schlug sich Mercedes-Benz wacker und besser als die einheimischen Marken. Trotzdem war ein Absatzeinbruch von 16 Prozent natürlich unter dem Strich nicht erfreulich. Die Einführung des Smart in den USA konnte, der auf Anhieb immerhin 1.778-mal verkauft wurde, dämpften die Absatz-Verluste für den Gesamtkonzern weiter auf nur noch 8,5 Prozent.
Der ewige deutsche Widersacher BMW schnitt im Vergleich mit einem Absatzminus von 25,8 Prozent im September bei weitem schlechter ab. Zetsche sprach dann auch folgerichtig davon, man habe sich im aktuellen Umfeld "relativ gut geschlagen".
*Gleiche Probleme wie die Konkurrenz
Unter dem Strich bleiben die Probleme von BMW und Daimler jedoch die gleichen. Analysten sprechen davon, dass die Stuttgarter wie auch die Münchener Teile ihres Leasing-Portfolios mit Bekanntgabe der Zahlen zum dritten Quartal abschreiben müssten.
Bei Daimler werden Abschreibungen in Höhe von 600 Millionen Euro kolportiert. Das ist kein Pappenstil und würde die Gewinnmarge entsprechend von acht auf nur noch 6,9 Prozent reduzieren. Hintergrund ist hier, dass die Gebrauchtwagen, die nach dem Ende von Leasingverträgen zurückgenommen werden, beim Weiterverkauf wesentlich weniger einbringen als früher.
Offenbar entscheiden sich vor dem Hintergrund der hohen Unterhaltskosten (hoher Spritverbrauch, hohe Versicherung, hohe Steuer, mehr Reparaturen wegen höherem Alter, immer noch relativ hoher Preis, häufig sehr hoher Kilometerstand, da ehemalige Geschäftswagen etc.) im Zweifelsfall immer mehr Autofahrer für einen neueren und dafür kleineren Wagen statt einem gebrauchten Leasingmodell.
Hinzu kommt: Auch in Europa vergeben Autobauer nach einer Analyse von Merrill Lynch jährlich insgesamt Leasing- und Finanzierungskredite in Höhe von 250 Milliarden Euro. Immerhin 80 Milliarden Euro müssen jährlich refinanziert werden. Auch wenn es hierzulande - zum Glück - keine spektakulären Schieflagen bei Autobanken gibt, so verschlechtern sich dennoch die Refinanzierungsbedingungen auch für diese Institute. Höhere Zinskosten sind die Folge, was wiederum auf die Margen drückt und letztlich auch das Kreditrating gefährdet.
Auch an diesem Beispiel wird deutlich, wie die globale Vernetzung des Finanzmarktes schnell zu den weltweit gleichen Effekten innerhalb einer Branche führen kann.
Das macht letztlich aber auch eine vernünftige Einschätzung der Daimler-Aktie und anderer deutscher Automobilaktien so schwierig. Verschlimmert sich die Krise in den USA, wird das auch die Daimler-Aktie belasten. Entfaltet das Rettungspaket die beabsichtigte Wirkung, geht auch Daimler mit nach oben.
Zuletzt hatte die Aktie jedenfalls mit massiven Verlusten zu kämpfen.
*Was für Daimler spricht
Für einen Kauf spricht allerdings die momentan im Vergleich zur Konkurrenz klar günstigere fundamentale Bewertung, die bereits eine weitere - keineswegs sichere - Gewinnwarnung einpreist hat. Zudem stemmt sich Daimler bei den Verkaufszahlen in der Tat relativ besser gegen den Abwärtstrend als beispielsweise BMW. Sollte keine Gewinnwarnung folgen, besteht einiges an Aufwärtspotenzial für die Aktie.
MEIN FAZIT:
- Gerüchte über eine neuerliche Gewinnwarnung prügelten die Aktie nach unten.
- Mögliche Abschreibungen im Leasing-Geschäft und die grundsätzlich schwierigere Refinanzierung von Krediten belasten zusätzlich.
- Fundamental ist die Aktie sehr günstig, operativ läuft es verhältnismäßig gut. Daimler ist daher im Vergleich zu BMW und erst recht im Vergleich zu VW vorzuziehen.
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