Daimler AG: Noch kaufen?
Posted by Armin Brack • Friday, January 11. 2008 • Category: Aktien
Noch Aufwärtspotenzial bei Daimler?
Wie die meisten Daimler-Aktionäre denke auch ich mit Grausen an die "Ära Schrempp" und die hochtrabenden Pläne vom Aufbau einer "Welt-AG" zurück. Die Realität sah schlussendlich etwas anderes aus:
In wenigen Jahren wurden etliche Milliarden an Anlegergeldern, durch die "Fusion unter Gleichen" mit Chrysler "in den Sand gesetzt".
Auf den Hauptversammlungen des Traditionskonzerns kam es zu fast schon tumultartigen Ausschreitungen. Und unzählige Anteilseigner aus dem Schwabenland scheuten nicht einmal die beträchtlichen Reisekosten nach Berlin, um ihren Unmut Aus- und Nachdruck zu verleihen. Zwar sind die Süddeutschen ja eigentlich für ihre Gemütlichkeit bekannt, aber beim Geld hört für die dortigen Menschen scheinbar der Spaß wirklich auf.
Entsprechend groß war daher auch der Ärger, als Schrempp seinen Abbau noch mit einigen Millionen Euro "vergoldet" bekam. Der durchschnittliche Daimler-Kleinaktionär verdient solche Beträge in seinem ganzen Arbeitsleben nicht einmal annähernd.
Aber gut: Ich sage in solchen Fällen immer, "lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende". Und letzteres hätte gedroht, wenn einer der schlechtesten Manager in den letzten Jahrzehnten weiterhin die Regie beim schwäbischen Autobauer inne gehabt hätte.
Kapitel Chrysler endgültig beendet
Sein Nachfolger Dr. Dieter Zetsche jedenfalls krempelte umgehend die Ärmel hoch und den Konzern um. Der "Verlustbringer" Chrysler wurde - zwar zu indiskutabel schlechten Konditionen aber immerhin - verkauft und seither ging es mit dem Unternehmen und damit auch mit dem Aktienkurs endlich wieder aufwärts.
Die Moral von der Geschichte, von der übrigens auch BMW ein "Lied singen" kann: Selbst die Übernahme eines vergleichsweise kleinen, dafür aber maroden und hoch defizitären Konkurrenten, kann Erfolgs-Konzerne ernsthaft in die Bredouille bringen. Nun ja, jetzt ist dieses finstere Kapitel der Daimler-Geschichte jedenfalls endgültig abgeschlossen.
Mercedes-Verkäufe zuletzt etwas ins Stocken geraten
Bei Mercedes lief es in den letzten Jahren im Großen und Ganzen gewohnt ordentlich. Allerdings haben die Verkäufe gerade in der jüngsten Vergangenheit doch etwas nachgelassen. Betroffen hiervon war vor allem der US-Markt. Hier hinterließ der starke Euro wohl doch die ersten kleineren "Bremsspuren".
Zudem lässt sich nicht leugnen, dass Mercedes aktuell ein gewisses Qualitätsproblem hat. In den zurückliegenden ADAC-Zufriedenheitsstudien belegte die Premium-Marke unrühmliche Plätze im hinteren Mittelfeld, was angesichts der teilweise doch recht happigen Produktpreise auf Dauer nicht tolerabel ist.
Aber das Unternehmen hat Besserung gelobt und ein leichter Aufwärtstrend ist bereits erkennbar. Dennoch hält sich meine Zuversicht in Bezug auf die künftigen Absatzzahlen in Grenzen. Falls sich das weltweite Wirtschaftswachstum abschwächen sollte und die USA womöglich gar in eine Rezession abrutschen sollten, dürfte der starke Euro vielen potenziellen Käufern die Lust auf die Luxus-Automobile gründlich vermiesen.
EU-Klima-Pläne als Bedrohung für den Absatz
Hinzu kommt, dass die geplante Strafabgabe der EU für "CO²-Schleudern" die Verkaufspreise noch einmal in die Höhe treiben würde. Da Mercedes fast ausschließlich Autos herstellt, die von den Grenzwerten meilenweit entfernt sind, wären die Schwaben von diesem Vorhaben überdurchschnittlich hart betroffen.
Freilich wird es einem Großteil der Kunden egal sein, ob ein S-Klasse-Modell dann statt 100.000, 110.000 Euro kostet. Aber gerade im Bereich der oberen Mittelklasse könnte sich der eine oder andere Käufer schlussendlich doch für ein Konkurrenz-Modell eines Anbieters entscheiden, welches auf Grund der konzerninternen Verrechnungsmöglichkeit der CO²-Emissionen um ein paar tausend Euro preiswerter ist.
Zumindest theoretisch hat zwar auch Daimler die Option, sich stärker im Kleinwagen-Segment zu engagieren und dadurch die Strafabgabe zu umgehen. Dies jedoch würde einerseits das Markenimage belasten und zum anderen sind die Gewinnspannen in diesen Bereichen sehr mager.
Unterm Strich erwarte ich bei Daimler aus den genannten Gründen ein leichtes Abflachen der Geschäftsentwicklung. Ungeachtet der augenscheinlich günstigen Bewertung ist die Aktie für mich daher bestenfalls eine Halte-Position mit einem verhältnismäßig engen Stopp-Kurs.
MEIN FAZIT:
- Chrysler-Verkauf stärkt die Rentabilität des Konzerns
- Die neue "Qualitäts-Offensive" könnte dazu beitragen, verärgerte ehemalige Kunden zurückzugewinnen
- Der starke Euro und die von der EU geplante CO²-Abgabe dürften sich mittelfristig negativ auf die Verkaufszahlen auswirken
- Obwohl die Aktie fundamental günstig bewertet ist, drängt sich ein Kauf nicht wirklich auf, sondern das Papier ist bestenfalls eine Halteposition
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Armin Brack
Chef-Redakteur Geldanlage-Report
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Wie die meisten Daimler-Aktionäre denke auch ich mit Grausen an die "Ära Schrempp" und die hochtrabenden Pläne vom Aufbau einer "Welt-AG" zurück. Die Realität sah schlussendlich etwas anderes aus:
In wenigen Jahren wurden etliche Milliarden an Anlegergeldern, durch die "Fusion unter Gleichen" mit Chrysler "in den Sand gesetzt".
Auf den Hauptversammlungen des Traditionskonzerns kam es zu fast schon tumultartigen Ausschreitungen. Und unzählige Anteilseigner aus dem Schwabenland scheuten nicht einmal die beträchtlichen Reisekosten nach Berlin, um ihren Unmut Aus- und Nachdruck zu verleihen. Zwar sind die Süddeutschen ja eigentlich für ihre Gemütlichkeit bekannt, aber beim Geld hört für die dortigen Menschen scheinbar der Spaß wirklich auf.
Entsprechend groß war daher auch der Ärger, als Schrempp seinen Abbau noch mit einigen Millionen Euro "vergoldet" bekam. Der durchschnittliche Daimler-Kleinaktionär verdient solche Beträge in seinem ganzen Arbeitsleben nicht einmal annähernd.
Aber gut: Ich sage in solchen Fällen immer, "lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende". Und letzteres hätte gedroht, wenn einer der schlechtesten Manager in den letzten Jahrzehnten weiterhin die Regie beim schwäbischen Autobauer inne gehabt hätte.
Kapitel Chrysler endgültig beendet
Sein Nachfolger Dr. Dieter Zetsche jedenfalls krempelte umgehend die Ärmel hoch und den Konzern um. Der "Verlustbringer" Chrysler wurde - zwar zu indiskutabel schlechten Konditionen aber immerhin - verkauft und seither ging es mit dem Unternehmen und damit auch mit dem Aktienkurs endlich wieder aufwärts.
Die Moral von der Geschichte, von der übrigens auch BMW ein "Lied singen" kann: Selbst die Übernahme eines vergleichsweise kleinen, dafür aber maroden und hoch defizitären Konkurrenten, kann Erfolgs-Konzerne ernsthaft in die Bredouille bringen. Nun ja, jetzt ist dieses finstere Kapitel der Daimler-Geschichte jedenfalls endgültig abgeschlossen.
Mercedes-Verkäufe zuletzt etwas ins Stocken geraten
Bei Mercedes lief es in den letzten Jahren im Großen und Ganzen gewohnt ordentlich. Allerdings haben die Verkäufe gerade in der jüngsten Vergangenheit doch etwas nachgelassen. Betroffen hiervon war vor allem der US-Markt. Hier hinterließ der starke Euro wohl doch die ersten kleineren "Bremsspuren".
Zudem lässt sich nicht leugnen, dass Mercedes aktuell ein gewisses Qualitätsproblem hat. In den zurückliegenden ADAC-Zufriedenheitsstudien belegte die Premium-Marke unrühmliche Plätze im hinteren Mittelfeld, was angesichts der teilweise doch recht happigen Produktpreise auf Dauer nicht tolerabel ist.
Aber das Unternehmen hat Besserung gelobt und ein leichter Aufwärtstrend ist bereits erkennbar. Dennoch hält sich meine Zuversicht in Bezug auf die künftigen Absatzzahlen in Grenzen. Falls sich das weltweite Wirtschaftswachstum abschwächen sollte und die USA womöglich gar in eine Rezession abrutschen sollten, dürfte der starke Euro vielen potenziellen Käufern die Lust auf die Luxus-Automobile gründlich vermiesen.
EU-Klima-Pläne als Bedrohung für den Absatz
Hinzu kommt, dass die geplante Strafabgabe der EU für "CO²-Schleudern" die Verkaufspreise noch einmal in die Höhe treiben würde. Da Mercedes fast ausschließlich Autos herstellt, die von den Grenzwerten meilenweit entfernt sind, wären die Schwaben von diesem Vorhaben überdurchschnittlich hart betroffen.
Freilich wird es einem Großteil der Kunden egal sein, ob ein S-Klasse-Modell dann statt 100.000, 110.000 Euro kostet. Aber gerade im Bereich der oberen Mittelklasse könnte sich der eine oder andere Käufer schlussendlich doch für ein Konkurrenz-Modell eines Anbieters entscheiden, welches auf Grund der konzerninternen Verrechnungsmöglichkeit der CO²-Emissionen um ein paar tausend Euro preiswerter ist.
Zumindest theoretisch hat zwar auch Daimler die Option, sich stärker im Kleinwagen-Segment zu engagieren und dadurch die Strafabgabe zu umgehen. Dies jedoch würde einerseits das Markenimage belasten und zum anderen sind die Gewinnspannen in diesen Bereichen sehr mager.
Unterm Strich erwarte ich bei Daimler aus den genannten Gründen ein leichtes Abflachen der Geschäftsentwicklung. Ungeachtet der augenscheinlich günstigen Bewertung ist die Aktie für mich daher bestenfalls eine Halte-Position mit einem verhältnismäßig engen Stopp-Kurs.
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- Chrysler-Verkauf stärkt die Rentabilität des Konzerns
- Die neue "Qualitäts-Offensive" könnte dazu beitragen, verärgerte ehemalige Kunden zurückzugewinnen
- Der starke Euro und die von der EU geplante CO²-Abgabe dürften sich mittelfristig negativ auf die Verkaufszahlen auswirken
- Obwohl die Aktie fundamental günstig bewertet ist, drängt sich ein Kauf nicht wirklich auf, sondern das Papier ist bestenfalls eine Halteposition
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